Ein kleines Panorama des St. Galler Lateins
von Clemens Müller


Wann ertönten wohl die ersten lateinischen Laute in unserer Gegend? Vermutlich waren es römische Händler, die den Kelten, die in den Jahrhunderten um die Zeitenwende in unserer Region siedelten, den sehr begehrten Wein brachten. Und andere Konsumartikel, von denen Caesar schreibt, dass sie ad effeminandos animos, «zur Verweichlichung der Seelenkräfte», führten. Und in der Tat vermochten weder die Helvetier Caesars Legionen zu widerstehen, welche sie 56 v. Chr. am Wegzug ins freundlichere Südfrankreich hinderten, noch 16/15 v. Chr. die Räter den Legionen von Tiberius und Drusus auf deren Alpenfeldzug. Als Sprache der Besatzer breitete sich Latein bald über das ganze Land aus. Römische Veteranen liessen sich nieder und vermischten sich mit der hiesigen Bevölkerung. Militärische Anlagen wuchsen sich auch in unserem Gebiet zu Siedlungen aus, andere Siedlungen entstanden. Sie tragen noch heute erkennbar ihre lateinischen Namen: von Kempraten, den «hundert Wiesen» im Süden, bis zu Arbor Felix, dem «fruchtbaren Baum» im Norden. Aus dieser Zeit stammen die ersten schriftlichen Zeugnisse aus unserem Kantonsgebiet, die Weiheinschrift zweier frommer Soldaten, Octavius und Eulogius, und die rätselhafte Wandkritzelei aus dem Gutshof von Wagen-Salet (Rapperswil-Jona): Masclus permisit nato trans... - «Masclus hat seinem Sohn erlaubt, hinüber...». Der Schreiber der letzteren hat sicher an einer lokalen, natürlich lateinischen Schule das Lesen und Schreiben gelernt.


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Der poeta laureatus Vadian

Schullatein und Neulatein

Im ganzen Kantonsgebiet



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